Post-LASIK, maligne Myopie und irreguläre Hornhaut? – Da passt unsere i-Map-Progressivlinse mit negativer Addition
Ein Fall für kreative Köpfe.
Es gibt Fälle, bei denen man relativ schnell merkt: Mit Standardansätzen kommt man hier nicht weiter. Nämlich dann, wenn die Ausgangssituation mehrere Probleme gleichzeitig vereint hat.
Ein Fall mit Augenoptikermeister Alex Biefel, B.Sc. Augenoptik (FH), und Appenzeller Kontaktlinsen
Post-LASIK, maligne Myopie und irreguläre Hornhaut – gelöst mit einer individuellen i-Map-Progressivlinse mit negativer Addition
Die Ausgangslage
Eine 45-jährige Patientin wurde vom Augenarzt zur Kontaktlinsenanpassung überwiesen. Die Diagnose: maligne Myopie – mit weiterer Progression auch im Erwachsenenalter. Zusätzlich bestand eine LASIK aus dem Jahr 2012 (ursprünglich etwa −8 dpt), deren Effekt sich zunehmend relativierte. Bei der Erstvorstellung zeigte sich:
- Visus mit aktueller Brille ca. 0,4
- bestkorrigierter Visus höher, aber im Alltag nicht stabil
- deutlich irreguläre Hornhaut
Damit war schnell klar: Die gewohnten Korrektionsansätze werden hier nicht zuverlässig greifen können.
Der Wendepunkt: Neu ansetzen statt weiter optimieren
Die ersten klassischen Linsenansätze haben also genau das erste Bauchgefühl von Alex Biefel bestätigt:
keine stabile Sehqualität, keine zufriedenstellende Lösung. Also haben wir den Fall gemeinsam noch einmal geöffnet und neu bewertet – diesmal mit Fokus auf die tatsächliche optische Situation der Hornhaut, nicht nur auf Zahlen. Unsere Einschätzung auf Erfolg war bewusst ehrlich:
«Wir sehen eine Chance – aber wir können nichts garantieren.»
Der Anpassprozess: Ein untypischer Ansatz
Die Entscheidung fiel auf eine individuelle iMap Progress-F Linse mit negativer Addition.
Ausgangspunkt war eine reverse iMap-Testlinse, mit der am rechten Auge bereits eine sehr gute Abbildung der irregulären Hornhaut erreicht werden konnte. Bei der Überrefraktion zeigte sich jedoch noch ein visusrelevanter Restzylinder von -0.50 dpt bei 90° über einer sphärischen Grundkorrektur von -4.25 dpt.
Grundsätzlich hätte dieser Astigmatismus über eine fronttorische Ausführung (iMap VPT) korrigiert werden können. Dazu wäre jedoch eine prismatische Stabilisation erforderlich gewesen. Da die formstabile Linse bereits leicht spürbar war, bestand die Gefahr, dass eine prismatisch stabilisierte Ausführung durch die höhere Randdicke den Tragekomfort zusätzlich beeinträchtigt.
Gemeinsam wurde deshalb ein anderer Weg gewählt:
Anstelle einer fronttorischen Korrektur wurde eine iMap Progress-F mit zentral angeordnetem Fernbereich eingesetzt. Die sphärische Grundkorrektur wurde mit -4.25 dpt festgelegt. Die gemessene Zylinderwirkung von -0.50 dpt wurde dabei als negative Addition umgesetzt.
Dadurch ergibt sich in einem Hauptschnitt eine Wirkung von -4.25 dpt und im senkrechten Hauptschnitt eine Wirkung von -4.75 dpt. Die progressive Vorderfläche erzeugt somit einen kontinuierlichen Übergang zwischen beiden Wirkungen und bildet den zuvor gemessenen Astigmatismus vereinfacht über die gesamte Optik ab.
Der Vorteil dieses Ansatzes: Die zusätzliche prismatische Stabilisation konnte vermieden werden. Dadurch blieb die Linse dünner, komfortabler und gleichzeitig optisch sehr leistungsfähig.
Besonders interessant war der Vergleich zum linken Auge. Dort zeigte sich über der gleichen reverse iMap-Geometrie kein messbarer Restzylinder. Entsprechend konnte dort eine rein sphärische Versorgung den maximalen Visus erzielen. Gerade dieser direkte Vergleich verdeutlichte, dass eine fronttorische, prismatisch stabilisierte Lösung am rechten Auge hinsichtlich des Tragekomforts wahrscheinlich schlechter abgeschnitten hätte als die gewählte Progress-F-Variante
Rechtes und linkes Auge
Zentrierte iMap Progress F Linse mit homogener zentraler Alignmentzone und gleichmässig ausgeprägtem parazentralem Poolingring der reverse Geometrie. Insgesamt ausgeglichene Randanpassung mit physiologischem Tränenfilmabfluss; am rechten Auge leicht betonte periphere Fluoreszenz temporal.
CL:
R: i-MAP Progress-F Dia:
11,0 BC: 8,6 pwr: -4,25 Add: -0,5
L: i-MAP Progress-F Dia:
11,0 BC: 8,7 pwr: -3,00 Add: -1,0
Visus Ferne binokular: 0,8
Visus Nähe: binokular: 0,7
Beratung jenseits des Standardansatzes
Dieser Versorgungsansatz entstand in enger Abstimmung mit der Anpassberatung und Bernd Brückner, Leiter Professional Service und Mitglied der Geschäftsleitung bei Appenzeller Kontaktlinsen AG.
Das Konzept, einen inneren Astigmatismus hauptschnittweise über eine negative Addition in der Linsengeometrie abzubilden, ist kein Standardansatz, sondern erfordert Erfahrung, ein tiefes technisches Verständnis und die Bereitschaft, den gewohnten Lösungsweg bewusst neu zu denken.
Negative Addition – was hier anders ist
Im klassischen Sinn dient eine Addition dazu, unterschiedliche Sehbereiche für Ferne und Nähe bereitzustellen.
In diesem Fall wurde die negative Addition jedoch für einen völlig anderen Zweck eingesetzt.
Über die reverse iMap-Geometrie konnte die irreguläre Hornhaut bereits sehr erfolgreich optisch neutralisiert werden. Am rechten Auge blieb jedoch ein geringer, aber visusrelevanter Restastigmatismus von -0.50 dpt bestehen.
Anstatt diesen Astigmatismus mit einer fronttorischen, prismatisch stabilisierten Linse zu korrigieren, wurde die negative Addition der iMap Progress-F genutzt, um die unterschiedliche Brechkraft der beiden Hauptschnitte abzubilden.
Damit entstand eine optische Lösung, die den Restastigmatismus wirksam reduzierte, ohne die Nachteile einer prismatisch stabilisierten Linse in Kauf nehmen zu müssen. Das Ergebnis war eine bessere Sehschärfe bei gleichzeitig hohem Tragekomfort – und genau das machte diesen Ansatz in diesem Fall so erfolgreich.
Der Weg zum Erfolg war also kein Schnellschuss, sondern klassische Feinarbeit:
- mehrere Anpassschritte
- enge Abstimmung
- saubere Beurteilung von Sitz und Bild
Erreicht: Binokularer Visus von etwa 0,8 und deutlich stabileres Sehen im Alltag
Fazit
Genau solche Fälle gehören nicht zu den entspanntesten – weder für den Anpasser noch für uns als Hersteller. Und trotzdem sind es genau diese Fälle, die uns weiterbringen. Sie fordern uns heraus, genauer hinzuschauen, offener zu denken und Lösungen zuzulassen, die nicht aus dem Standard kommen.
Wir nehmen uns bewusst die Zeit, solche Versorgungen gemeinsam mit unseren Kunden zu entwickeln.
Denn daraus entsteht Erfahrung. Und diese Erfahrung hilft am Ende nicht nur bei komplexen Fällen, sondern macht auch den Alltag im Standard sicherer und effizienter.
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Was wir aus diesem Fall mitnehmen können
Alexander Biefel, B.Sc. Augenoptik (FH), Alexander Biefel begleitet tagtäglich Kundinnen und Kunden von Optik Mattern in Sandhausen und Wiesloch bei unterschiedlichsten Sehherausforderungen – dabei spielt die individuelle Kontaktlinse für ihn eine zentrale Rolle. Sein Weg ist eng mit uns verbunden: Durch das gemeinsame Studium mit Bernd Brückner besteht bis heute ein offener und vertrauensvoller Austausch.
Danke, Alexander Biefel, für die Zusammenarbeit und diesen besonderen Case
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1. Negative Addition – was hier anders ist
Im klassischen Sinn bedeutet Addition: Unterstützung in der Nähe. In diesem Fall hatte sie eine ganz andere Aufgabe. Durch die irreguläre Hornhaut war das optische System instabil. Es ging also nicht darum, «mehr» zu korrigieren, sondern das Bild ruhiger zu bekommen. Genau hier kam die negative Addition ins Spiel. Sie wurde genutzt, um bestimmte Abbildungsanteile zu reduzieren und das System insgesamt zu vereinfachen. Das Ergebnis war kein theoretisch perfektes Bild – aber ein deutlich stabileres. Und genau das hat den Unterschied gemacht.
2. Kommunikation – wenn besser nicht ausreichend ist
Die Sehqualität hat sich deutlich verbessert. Von etwa 0,4 auf 0,8. Objektiv ein klarer Erfolg. Subjektiv nicht automatisch. Gerade Patienten mit LASIK-Vorgeschichte haben oft ein sehr klares Bild davon, wie gut Sehen sein sollte – und orientieren sich daran. In solchen Momenten hilft es, messbar zu bleiben: «Mehr Sehleistung geht an der Stelle einfach nicht – wir haben das technisch Machbare für Sie erreicht.» Entwicklung zeigen, Unterschiede erklären und auch klar benennen, wo die Grenze liegt. Genau das hat Alexander Biefel gemacht. Nicht weiter optimiert, sondern eingeordnet.
3. Proaktivität – für den Kunden
Nach den ersten Versuchen war klar: Der Standardweg funktioniert hier nicht. An dem Punkt gibt es zwei Möglichkeiten:Sich verzetteln – oder in den Austausch gehenAlexander Biefel hat sich dafür entschieden, den Fall zu öffnen und aktiv Unterstützung zu suchen. In einem gemeinsamen Sparring konnten wir den Case lösen und die Kundin verdankt ihrem Anpasser Alexander Biefel wieder ein Sehen, mit dem sie bestens im Alltag zurechtkommen kann.