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Wenn Sehen möglich ist –
und im Alltag trotzdem nicht reicht

Publiziert:
Autor: APPENZELLER KONTAKTLINSEN AG
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Sklerallinsenversorgung bei beidseitiger pelluzider marginaler Hornhautdegeneration

Mit Augenoptikermeister Lars Teubler, Arndt & Weiß, Bünde, Deutschland

Eine Patientin mit beidseitiger PMD konnte mit ihren bisherigen cornealen formstabilen Kontaktlinsen sehen. Im Alltag verrutschten die Linsen jedoch, Fremdkörper gerieten darunter, und sie kniff die Augen häufig zusammen. Mit einer individuell berechneten i-MATRIX Versorgung erreichte sie einen stabilen binokularen Visus von 1,0 – und vor allem eine Versorgung, die ihren Alltag wieder mitmachte.


«Wir haben keinen Bock auf Grenzen.
Wir möchten alle Möglichkeiten
kennen, die wir unseren Kundinnen
und Kunden anbieten können.»

— Lars Teubler


Versorgt – aber im Alltag deutlich eingeschränkt

Die bisherige Versorgung war nicht wirkungslos. Mit den cornealen Rose-K-Linsen konnte die Patientin sehen. Trotzdem blieb die Situation für sie unbefriedigend: Die Linsen verrutschten, bei Fahrradtouren gelangten Fremdkörper darunter, und sie musste unterwegs immer wieder anhalten, um sie abzusetzen. Auch das Tragegefühl war so belastend, dass sie die Augen häufig zusammenkniff.

Gerade dieser Zwischenzustand macht den Fall fachlich interessant: Die Versorgung funktionierte optisch in Teilen – sie war im Alltag aber nicht stabil genug. Die Patientin selbst ging davon aus, dass mehr nicht möglich sei.


«Es hat irgendwie funktioniert.
Aber sie dachte auch: Das ist
die einzige Versorgungsmöglichkeit.»

— Lars Teubler über die Ausgangssituation


Ein Augenarzt erkennt die Grenze – und öffnet die nächste Tür

Der betreuende Augenarzt hatte die Patientin zunächst mit Rose-K-Linsen versorgt. Nachdem er eine andere Sklerallinsenversorgung von Lars Teubler gesehen hatte, sprach er ihn aktiv an und überwies die Patientin an Arndt & Weiß in Bünde.

Für Lars ist genau das der richtige Ansatz: Der Augenarzt verliert dadurch nicht an Bedeutung. Die augenoptische Anpassung ergänzt vielmehr die medizinische Betreuung um Zeit, Handling, Verlaufskontrollen und die detaillierte Arbeit am Linsensitz.


«Der Augenarzt soll seinen Stellenwert
gar nicht verlieren. Wir wollen
ergänzend arbeiten und uns die Zeit
nehmen, die eine solche Anpassung
braucht.»

— Lars Teubler


________________________

DER CASE AUF EINEN BLICK

Patientin Jahrgang 1973; beruflich im pädagogischen Bereich tätig

Diagnose Beidseitige pelluzide marginale Hornhautdegeneration (PMD)

Vorgeschichte Zustand nach cornealem Crosslinking 2013 und 2014

Sehanforderungen Hoher irregulärer Astigmatismus, Hyperopie und Presbyopie

Bisherige Versorgung Corneale formstabile Rose-K-Linsen

Alltagsprobleme Instabilität, Fremdkörper unter der Linse, wiederholtes Absetzen, starkes Zusammenkneifen der Augen

Ausgangswerte

________________________


Die Topographie: deutlich irregulär, beidseits unterschiedlich

Die tangentialen Topographien zeigen beidseits stark deformierte Placido-Ringe und ausgeprägte asymmetrische Krümmungsverläufe. Die Veränderungen sind inferior betont; zusätzlich zeigen sich zentrale Steilheiten. Für die Versorgungsentscheidung war deshalb nicht nur die Diagnose entscheidend, sondern auch die deutlich unterschiedliche Ausgangslage beider Augen.

Abb. 1: Tangentiale Topographie OD vom 25.02.2026. Patientenbezogene Angaben wurden für diese Freigabefassung entfernt.

Abb. 2: Tangentiale Topographie OS vom 25.02.2026. Deutlich erkennbar sind die irregulären und inferior betonten Krümmungsverläufe.


Warum in diesem Fall eine Sklerallinse?

Die Entscheidung gegen eine erneute rein corneale Versorgung fiel nicht, weil corneale formstabile Kontaktlinsen grundsätzlich ungeeignet wären. In diesem konkreten Fall reichten Stabilität und Alltagstauglichkeit der bestehenden Versorgung jedoch nicht aus.

Für die Sklerallinse sprachen die Kombination aus ausgeprägter beidseitiger Hornhautirregularität, wiederkehrendem Verrutschen der bisherigen Linsen, Fremdkörperproblemen und dem eingeschränkten Tragekomfort. Ziel war eine Versorgung, die die irreguläre Hornhaut optisch überbrückt, auf der Sklera stabil aufliegt und der Patientin auch bei Bewegung und langen Tagen verlässliches Sehen ermöglicht.

Vor der ersten Messlinse kam das Gespräch

Lars trennte das Kennenlernen der neuen Sehbegleiter und die eigentliche Anpassung bewusst voneinander. Beim ersten Termin ging es zunächst um die Vorgeschichte, die bisherigen Erfahrungen und die Erwartungen. Erst beim zweiten Termin wurde mit der Sklerallinse gearbeitet.

Das war in diesem Fall besonders wichtig. Die Patientin hatte großen Respekt vor dem Durchmesser der Sklerallinse und fragte sich, wie sie eine so große Linse jemals selbst aufsetzen sollte. Lars nahm diesen Schritt zunächst aus der Gleichung: Er zeigte ihr die Linse, erklärte den Ablauf und übernahm das Aufsetzen in der frühen Phase selbst. So konnte sie zuerst erleben, wie sich die Linse anfühlt und welches Sehen möglich wird. Das Handling kam anschließend Schritt für Schritt.


«Gerade der psychologische Punkt
ist bei solchen Anpassungen
sehr wichtig. Viele Menschen kommen
aus Versorgungen, die nicht gut
funktioniert haben.»

— Lars Teubler


«Schwarze Piste»: Die erste Messlinse war zu flach – und trotzdem richtungsweisend

Gestartet wurde mit einer Standardmesslinse aus dem Anpasssatz. Bereits direkt nach dem Aufsetzen zeigte sich, dass die Sagittalhöhe nicht ausreichte. Lars wechselte deshalb auf die steilere Variante. Sein knapper Kommentar dazu: «Schwarze Piste.»

Auch diese Messlinse war noch nicht final: Die Sagittalhöhe war weiterhin zu gering, temporal zeigte sich beidseits leichtes Bleaching. Gleichzeitig wurde sofort sichtbar, welches optische Potenzial in der Versorgung steckte. Bereits mit der Messlinse wurden beidseits rund 0,9 erreicht; links sowie binokular lag der Visus bei 1,0.


«Auch wenn die Linse noch nicht
richtig sass, konnte die Patientin
direkt erleben, dass da etwas
passieren kann.»

— Lars Teubler


Von der Messlinse zur individuellen i-MATRIX

Lars dokumentierte den Sitz mit Fluoreszeinbildern, beurteilte die einzelnen Auflagebereiche und übermittelte die Befunde an den Appenzeller Professional Service. Auf dieser Grundlage wurden Sagittalhöhe und Auflage weiter angepasst und die individuellen Linsen gefertigt.

Nach dem ersten individuellen Linsenpaar wurde die Sagittalhöhe nochmals erhöht, um die noch vorhandene Auflage zu reduzieren. In der anschließenden Kontrolle zeigte sich insgesamt eine deutlich harmonischere Situation ohne relevantes temporales Bleaching. Die rechte Linse wurde später aufgrund einer Überrefraktion noch einmal optisch verändert; die Geometrie blieb dabei unverändert.

Insgesamt konnte die Versorgung in etwa vier bis viereinhalb Terminen abgeschlossen werden. Der binokulare Visus von 1,0 blieb auch mit der finalen Versorgung stabil.


Anpassverlauf kompakt


Finaler Sitz: geometrisch stabil, rechts anschließend nur noch optisch angepasst

Die Fluoreszeinaufnahmen vom 9. April dokumentieren den Sitz nach der geometrischen Optimierung. Nach Lars’ Beurteilung war kein relevantes Bleaching mehr vorhanden; die Auflage zeigte sich insgesamt harmonisch. Rechts folgte danach lediglich noch die optische Änderung aufgrund der Überrefraktion.

OD

OS

Abb. 3: Fluoreszeinaufnahmen OD und OS vom 09.04.2026 nach geometrischer Optimierung. Personenbezogene Angaben wurden entfernt.

Finale Linsendaten


Das Ergebnis zeigte sich nicht nur auf dem Visusblock

Mit der finalen Versorgung erreichte die Patientin binokular stabil Visus 1,0. Entscheidend war jedoch, was außerhalb des Prüfraums passierte: Sie konnte ihre Augen über den Tag deutlich weiter öffnen, Fahrradtouren waren wieder möglich, ohne die Linsen wegen Fremdkörpern oder Instabilität ständig absetzen zu müssen, und ihr Gesicht wirkte sichtbar entspannter.

Besonders in Erinnerung blieb ein Familienfoto. Die Patientin berichtete, dass sie darauf erstmals seit Langem die Augen offen hatte. Auch in ihrem beruflichen Umfeld fiel die Veränderung auf: Kolleginnen und Kollegen fragten, ob sie etwas an ihrem Gesicht habe machen lassen, weil sie plötzlich so viel offener wirkte.


«Zum ersten Mal seit Langem
zeigte ein Familienfoto mich
mit geöffneten Augen.»

— Patientinnenfeedback


Nach Abschluss der Versorgung schrieb die Patientin Lars einen persönlichen Brief und brachte Blumen mit. Für Lars war genau dieser Moment die eigentliche Bestätigung, dass die Anpassung mehr verändert hatte als einen Messwert.


«Für genau sowas
machst du das.»

— Lars Teubler


Was Lars beim nächsten Mal anders machen würde


Der Fall war erfolgreich – und trotzdem nicht frei von Lernmomenten. Die rechte Linse wurde wegen einer auffälligen Überrefraktion noch einmal optisch geändert. Rückblickend würde Lars diesen Wert zunächst erneut zu einem späteren Zeitpunkt überprüfen, bevor er eine weitere Linse bestellt.


«Die letzte rechte Linse hätten
wir uns wahrscheinlich sparen
können. Aber da wächst man
mit seinen Erfahrungen.»

— Lars Teubler


Gerade dieses Detail macht den Case wertvoll: Es zeigt keinen perfekten Lehrbuchverlauf, sondern reale Anpasspraxis. Auch bei einem sehr guten Ergebnis lohnt es sich, Entscheidungen im Rückblick kritisch zu prüfen.


Drei Learnings aus diesem Case

1.
Ein guter Visus ist noch keine gute Alltagsversorgung Zur Beurteilung gehören neben der Sehschärfe auch Stabilität, Tragekomfort, Augenöffnung, Handling und die Frage, ob die Linse bei Arbeit, Bewegung und Freizeit zuverlässig funktioniert.

2.

Das Gespräch kann ein eigener Anpassschritt sein Bei langer Vorgeschichte und großem Respekt vor einer Sklerallinse muss nicht alles im ersten Termin passieren. Erst verstehen, erklären und erleben lassen – das Handling kann anschließend systematisch aufgebaut werden.

3.

Eine nicht perfekte Messlinse kann bereits die richtige Richtung zeigen Optisches Potenzial, Sagittalhöhe, Auflage und Bleaching liefern wichtige Informationen. Entscheidend sind eine strukturierte Dokumentation und das schrittweise Weiterarbeiten – in diesem Fall gemeinsam mit dem Appenzeller Professional Service.


Fazit: Grenzen verschieben gelingt am besten gemeinsam

Dieser Case ist nicht die Geschichte eines einzelnen Produkts oder einer einzelnen Person. Der Augenarzt erkannte, dass die bisherige Versorgung im Alltag nicht ausreichte, und holte ergänzende Expertise hinzu. Lars nahm sich Zeit für die Patientin, dokumentierte die Anpassung systematisch und übersetzte die Befunde gemeinsam mit dem Appenzeller Professional Service in eine individuelle i-MATRIX Geometrie.

Das Ergebnis war ein stabiler binokularer Visus von 1,0. Noch wichtiger war jedoch, dass die Patientin ihre Augen wieder entspannt öffnen und ihren Alltag ohne die bisherigen Unterbrechungen erleben konnte.

Versorgungsgrenzen zu verschieben bedeutet dabei nicht, sie zu ignorieren. Es bedeutet, sie zu erkennen, die vorhandenen Möglichkeiten zu kennen und im richtigen Moment miteinander zu arbeiten.



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ÜBER LARS TEUBLER

Augenoptikermeister bei Arndt & Weiß in Bünde

Lars ist seit 2016 in der Augenoptik tätig.
Neben klassischen und speziellen optischen
Versorgungen beschäftigt er sich seit rund
einem Jahr intensiv mit Sklerallinsen.
Sein Anspruch: Versorgungsgrenzen nicht
vorschnell akzeptieren, sondern das verfügbare
Spektrum kennen und gemeinsam mit den
Beteiligten nutzen.

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